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Neue Energiekonzepte auf dem Land

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Mehr wagen, weniger riskieren
 
Unabhängiger von Energiepreisen durch neue Energiekonzepte auf dem Bauernhof
 
Vor etwa hundert Jahren begann der Siegeszug des Traktors. Auch auf den bayerischen Feldern wurden Ochsen und Gäule durch Bulldogs und Dieselrösser ersetzt. Während früher auf rund einem Drittel der Flächen Hafer und Futtergetreide für die Zugtiere wuchs, lieferte plötzlich fossiler Brennstoff die Kraft zum Pflügen. Doch mit der Mechanisierung wurde nicht nur vieles einfacher, Landwirte wurden gleichzeitig auch abhängig von Energiepreisen und dem Weltmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen - beim Bauen, bei Futtermitteln, beim Heizen - wurden Rohstoffe vom eigenen Acker oder aus dem eigenen Wald durch andere Produkte abgelöst. „Auch und gerade in Sachen Energie sollten Landwirte wieder selbständiger werden“, sagt Siegfried Geiger von der BBV LandSiedlung. „Strom, Wärme, Mobilität - in allen Bereichen haben wir inzwischen die Möglichkeit uns unabhängig zu machen. Wir müssen nur die vorhandenen Technologien nutzen!“

Geiger ist gelernter Landwirt und Ingenieur, er arbeitet als Energieberater, Solarteur, Bauingenieur für landwirtschaftliche Beratung und Wirtschaftsingenieur für regenerative Energie bei der BBV LandSiedlung. Und er kommt herum. Am Nachmittag steht ein Termin bei einem Milchviehhalter an. Ein neuer Laufstall soll gebaut werden, mit Melkroboter und automatischem Fütterungssystem. Das ist aber nicht alles. Es geht auch um das dafür passendes Energiekonzept – und darum selbst die benötigte Energie zu erzeugen. „Wir spielen Tag für Tag Lotto und hoffen darauf, dass die Energiepreise nicht steigen“, sagt Geiger mit Blick auf Ereignisse wie die Krimkrise oder den Arabischen Frühling. „Dabei können gerade Landwirte die Energieversorgung selbst in die Hand nehmen!“

Photovoltaik - fotolia: m.protectnature
Eigenverbrauch lautet deshalb das Stichwort beim Bau des neuen Laufstalls. Das Dach wird so geplant, dass ausreichend Photovoltaik-Module darauf Platz finden, die genau dann optimal Sonnenlicht abbekommen, wenn der Strom gebraucht wird. „Die Rahmenbedingungen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes haben sich geändert“, sagt Geiger. „Heute kommt es nicht mehr unbedingt darauf an, eine Anlage so zu planen, dass sie soviel Strom wie möglich produziert. Vielmehr wird es immer wichtiger, dass die Anlage genau dann Energie liefern kann, wenn sie auch benötigt wird.“ Deshalb entwirft Geiger genau abgestimmte Energiekonzepte für Ställe, Häuser, ganze Hofstellen oder Gemeinden. Von der Biogasanlage mit Nahwärmenetz über die Holzheizzentrale für Haus und Hof bis zum Sonnen- oder Passivhaus - all das ist seine Baustelle.

Gemeinsam mit den Landwirten und seinen Kollegen von der BBV LandSiedlung möchte Geiger die Energiewende als Chance nutzen, als Chance für die Landwirtschaft und den gesamten ländlichen Raum. Neben großen Kraftwerken und fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl gewinnen im Moment dezentrale Anlagen und regenerative Energien immer weiter an Bedeutung. Durch Wind-, Solar- Biomassekraftwerke verlagert sich die Energieproduktion aufs Land - und auf die Höfe. In Geigers Büro stapeln sich die Pläne für clevere Holzkonstruktionen, auf dem Computer hat er seine Ideen und Konzepte fein säuberlich geordnet und im Kopf hat er die Vision eines energieautarken Bauernhofs. Sein Energiekonzept für landwirtschaftliche Betriebe besteht aus vier zentralen Aspekten:
 
1.    Strom selbst erzeugen
 
Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach verwandelt Sonnenlicht in Strom. Durch ein cleveres Management können Verbraucher im Haus und auf dem Hof - zum Beispiel Waschmaschinen oder Kühlsysteme - genau dann zum Einsatz kommen, wenn auch Sonnenstrom zur Verfügung steht. Überschüssige Energie kann entweder in einer Batterie gespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist werden. Auch als Tankstelle taugt eine Photovoltaik-Anlage inzwischen: Wer im Alltag und für kurze Strecken auf ein Elektroauto umsteigt, kann nicht nur Sonnenstrom tanken, sondern die Akkus des Fahrzeugs auch als Zwischenspeicher umfunktionieren und die gespeicherte Energie dann wieder entnehmen, wenn die Sonne nicht scheint. In solchen Situationen können auch Windräder oder Blockheizkraftwerke (BHKW) zum Einsatz kommen. Während auch die Windkraft witterungsabhängig ist, können BHKW durch den Einsatz von Erdgas, Biogas oder Pflanzenöl bedarfsgerecht Strom liefern. Auch die entstehende Abwärme eines Stromgenerators kann sinnvoll genutzt werden, zum Beispiel zum Heizen von angrenzenden Räumen oder über ein Nahwärmenetz. Das funktioniert aber nur dann, wenn Strom – und damit auch die Wärme - dort erzeugt wird, wo die Energie gebraucht wird.
 
2.    Selbst heizen mit Brennholz und Solarthermie
 
In der Vergangenheit wurden viele Heizsysteme nach dem größtmöglichen Bedarf ausgelegt. Das ist gar nicht nötig. In den Sommermonaten können schon wenige Quadratmeter Dachfläche mit einer solarthermischen Anlage eine klassische Heizung komplett ersetzen - die benötigte Energie kann jederzeit aus einem Pufferspeicher entnommen werden. Einzig durch die Sonneneinstrahlung steht so ausreichend
Hackschnitzel
Warmwasser zur Verfügung. Ist der Pufferspeicher noch etwas größer und die Solarthermieanlage sogar 30-40m² groß, kann bei einem gut gedämmten Haus auch im Frühjahr und Herbst ganz ohne Brennstoff geheizt werden. Als nachwachsender Rohstoff können Stückholz, Holzpellets oder Hackschnitzel in der kälteren Jahreszeit Wärme spenden und die Warmwasserversorgung sichern. Wird viel Wärme bis in den Sommer hinein gebraucht läßt sich ein Klein-Blockheizkraftwerke integrieren, das z.B.  mit Erdgas betrieben wird. Der Holzkessel deckt dann den Spitzenbedarf im Winter. Durch Kraft-Wärme-Kopplung bei der gleichzeitig auch der entstehende Strom genutzt oder ins öffentliche Netz eingespeist wird, beträgt der Wirkungsgrad bis zu 90 Prozent.
 
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